LESEPROBE

(M)eine Geschichte

...handelt von schwindelnden Höhen, silbernen Stiefeln, einem Bauernstuhl, drei Wahrsagerinnen, magischem Wasser, einem lüsternen Millionär,
allerlei nächtlichen Abenteuern und mehr.

Hinauf, hinunter. Auf das Balkongeländer klettern, in die Tiefe starren, wieder hinunter. Nach einem Sprung aus dem 25. Stockwerk ist man doch sicher Matsch. Wenn man es schafft, zu springen. Ich schaffe es nicht. Der Wind lässt mich spüren, wie lebendig ich noch bin, doch innerlich fühle ich mich weiterhin wie abgestorben, als ich den Heimweg antrete. Wieder ein arbeitsfreier Tag, an dem ich mich erfolgreich aus dem Haus gestohlen habe, um erfolglos Schluss zu machen. Wieder ein wortloser Abend als Zombie in der Wolldecke. Morgen ist auch noch ein Tag.
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Mich gibt es in zwei Versionen. In der von meinen Qualen nichts ahnenden Öffentlichkeit (Flughafen) verstelle ich mich. Die Person, die von außen wahrgenommen wird, ist in Wirklichkeit eine billige Mario­nette, der mein wahres Ich ständig auf der Schulter sitzt. Nur für mich hörbar, verurteilt es auf gehässigste Art und Weise all mein Tun als Farce.
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Mich hält es nicht lange im Unterricht. Ich überrede also den Lehrer, mich wegen eines Notfalls in der Familie vorzeitig aus dem Unterricht zu entlassen und verabrede mich, einer meiner plötzlichen Eingebungen folgend, telefonisch mit meiner Cousine Carla* und meinem Cousin Theo, der wie ich die Bipolarität unserer Großeltern geerbt und außerdem sechs Millionen DM durchgebracht hat... wie sich später herausstellen wird.
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Benzinpanne kurz vor dem Rasthof Weisskirchen auf der A3. Ron ist wieder dabei. Während er mit meinem leeren Ersatzkanister zur Tankstelle und wieder zurück läuft, gieße ich mich malerisch roten Hot-Pants und silbernen, schenkelhohen Barbarella­-Stiefeln wie eine Diva auf meinen frisch erstandenen Bauernstuhl, den ich aus dem prall gefüllten Kofferraum hole und auf den Standstreifen stelle. Von den LKW-Fahrern mit lautem Hupen beachtet zu werden, ist für mich ein großes Vergnügen. Das hat Ron nicht.
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Ich habe mich tatsächlich, wie von der vermeintlichen Roma-Freundin Sabina vorausgesagt, sehr mit meinem Vater gestritten und mich danach einige Tage lang nicht mehr sehen lassen. Frau Besel ruft also gegen drei Uhr nachts meine Eltern an: "Guten Tag, mein Name ist Besel, ich bin Wahrsagerin und Ihre Tochter ist bei mir. Sie können Sie abholen."  Zum Abschied entlockt sie mir das Versprechen, gleich nach dem Osterwochenende in der Psychiatrie vorzusprechen.
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*Die Namen aller Beteiligten wurden geändert.